Innovative Technologien am Point of Sale – Die Zukunft des Einzelhandels?

Ergebnisse der Analysephase

Der Kunde möchte heutzutage Produktinformationen immer und überall verfügbar haben, unabhängig vom jeweiligen Kanal, den er gerade nutzt. Überwiegend stillt er sein Informationsbedürfnis mittels Produktinformationen und Produktbewertungen aus dem Internet. Aber wie sieht es im Ladenlokal aus, dem Point of Sale (POS)? Stellt der stationäre Einzelhändler aus Südwestfalen bereits digitale Technologien im Geschäft bereit, worüber sich die Konsumenten auch vor Ort über Produkte und Bewertungen informieren können?

POS-Technologien: Alles nur Spielerei?

Wenn es um POS-Technologie geht, sind die Einzelhändler aus der Region oftmals überfordert. Dies ergaben Experteninterviews der Uni Siegen (Lehrstuhl für Marketing) mit ausgesuchten Modellhändlern aus Südwestfalen. Welche Technologien gibt es überhaupt? Benötige ich dafür zusätzliches Personal? Wie hoch sind die Kosten? Zahlt sich die Investition aus? Die große Unsicherheit ist die Ursache dafür, dass aktuell nur wenige Händler auf moderne Technologien im Ladenlokal setzen. Dieses Ergebnis wird auch durch weitere Umfrage der Uni Siegen (Selbstauskünfte von 55 stationären Einzelhändlern aus Südwestfalen) bestätigt. So nutzen ca. 20 % der befragten Händler ihnen bekannte Technologien wie z.B. TV-Systeme, Digitale Displays oder auch Tablets. Gängige Technologien wie z.B. freies W-Lan oder QR-Codes nutzen ca. 30 % der Händler.

 

Das verlängerte Verkaufsregal (Smart Tray) ist nur eine von vielen digitalen POS Lösungen.

Die Bereitstellung von digitalen Technologien reicht alleine nicht aus

Einer der beteiligten Modellhändler, ein Modehaus aus Südwestfalen, hat bereits einen digitalen Spiegel (siehe Abbildung) im Einsatz. In der Praxis zeigt sich leider bisher, dass dieser vom Kunden noch nicht in umfassender Form angenommen und genutzt wird. Für Händler besteht hier eine dringende Notwendigkeit, seine Mitarbeiter in eine solche Cross-Channel-Strategie mit einzubeziehen, damit diese im Beratungsgespräch die Technologie effizient einsetzen können. Dieser virtuelle Spiegel ist ein gutes Beispiel, wie sich Offline- und Onlinewelten verbinden lassen. Bei der Anprobe vor dem Spiegel kann der Kunde direkt Fotos und Videos erstellen lassen und diese sofort per E-Mail versenden oder über Facebook teilen. So kann z.B. der Freund oder die Freundin von unterwegs aus beurteilen, ob die ausgesuchte Kleidung dem Kunden steht oder nicht. Der virtuelle Spiegel zeigt die Möglichkeit zur Schaffung von Mehrwerten vor Ort und die zukünftigen Entwicklungen auf.

Ohne digitale Warenwirtschaft geht nichts

Ein elektronisches Warenwirtschaftssystem wird von über 60% der befragten Händler bereits genutzt. Darauf lässt sich gut aufbauen, wenn Technologien auf der Verkaufsfläche perspektivisch integriert werden sollen. Gleichzeitig haben aber fast 20% der Händler „kein Interesse“ an einem elektronischen Warenwirtschaftssystem, obwohl dieses das „Herzstück“ einer Digitalisierungsstrategie bildet.

Wissenslücken schließen und Hemmschwelle herabsetzen

Im weiteren Verlauf des Projektes gilt es nun, den Händlern POS-Technologien näher zu bringen, diese erlebbar zu machen und deren Einsatzmöglichkeiten kennen zu lernen (wie z. B. Besuch des Experience Store in Düsseldorf). Darüber hinaus sollen Händler mit dem Thema „Multi-, Cross- und Omni-Channel“, sowie „Social Media für den POS“ vertraut gemacht werden. Dies soll in Form von Workshops erfolgen. Der nächste Workshop „POS-Technologien/Applikationen kennenlernen und erleben 2.0 in Iserlohn“ findet am 11. Oktober 2017 statt. Hier geht es zur Anmeldung.

Künftig soll der Forschungsfrage nachgegangen werden, ob die Kompetenz eines Mitarbeiters positiver vom Kunden wahrgenommen wird, wenn im Verkaufsgespräch auf neuere Technologien zur Beratung zurückgegriffen wird.

Download der Analyseergebnisse

Die ausführliche und kostenlose Zusammenfassung der Ergebnisse der Universität Siegen finden Sie hier zum Download.

Die Zusammenfassung enthält auch Erkenntnisse einer quantitativen Studie der Uni Siegen mit insgesamt 1.502 Kunden und 148 Einzelhändlern aus Südwestfalen zum Thema POS-Technologien.

Bekanntheit und Verbreitung von POS-Technologien im südwestfälischen stationären Einzelhandel (Quelle: Uni Siegen), N=55
Online-Präsenz der Händler, Vertrieb und Verkauf (Quelle: Uni Siegen), N=55