Ein Geschäft allein reicht nicht mehr

Ein Geschäft in der Neheimer Innenstadt und ein eigener Onlineshop: Was Sylvia und Marco Plaumann mit ihrem stationären und digitalen scoreshop auf die Beine stellen, das bezeichnet Marco Plaumann als „extremen Aufwand.“ Doch ein stationäres Geschäft allein reiche heute nicht mehr aus, um sich am Markt zu behaupten.

Seit 20 Jahren gibt es den scoreshop in Neheim. Gestartet in der Engelbertstraße liegt das Geschäft inzwischen am Markt. Auf 240 Quadratmetern verkaufen Sylvia und Marco Plaumann dort mit ihren Mitarbeitern Streetwear und legen den Schwerpunkt auf Jeans und Sneakers. Zu ihrer Zielgruppe gehören die 28- bis 38-Jährigen, aber auch Jüngere. Und deren Kaufverhalten hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert: Nicht nur, dass sie vieles online bestellen – über soziale Netzwerke werden Trends rasend schnell verbreitet. Plötzlich wollen alle ein bestimmtes Paar Schuhe haben. Oder eine bestimmte Kappe. Dann, berichtet Marco Plaumann, wird der Artikel einige Wochen lang verkauft, bis schließlich die Nachfrage fast ebenso abrupt wieder einbricht wie sie entstanden ist.

„Die Entwicklung, die in unserer Branche gerade stattfindet, wird die Innenstädte verändern. Derzeit findet eine Marktbereinigung statt“, sagt Scoreshop-Inhaber Marco Plaumann.

„Herdentierverhalten“

„Herdentierverhalten“, nennt der Unternehmer das Kaufverhalten der vor allem jungen Kunden. Für stationäre Händler sei es nicht leicht, auf diese Wellenbewegungen schnell und mit ausreichend großen Stückzahlen zu reagieren. Neben der zunehmenden Online-Konkurrenz habe man 2012 zudem die Eröffnung der Thier Galerie in Dortmund zu spüren bekommen. Beides macht sich in Neheim nicht unbedingt dadurch bemerkbar, dass weniger Kunden in die City kommen, sondern dadurch, dass diese weniger ausgeben als früher. Die Bonhöhe pro Kunde sei deutlich zurückgegangen, berichtet Marco Plaumann. Richtig hart traf es den scoreshop in den Jahren 2013/2014 als die Bonhöhe im Durchschnitt um 20 Prozent zurückgegangen ist.

All das hinterlässt Spuren im stationären Geschäft. Ob und wie Sylvia und Marco Plaumann in einem Jahr immer noch für ihre Kunden vor Ort sein werden, wissen sie im Moment noch nicht. Noch läuft der Mietvertrag bis Sommer dieses Jahres. „Fest steht aber, dass wir uns verändern werden“, sagt Marco Plaumann. „Denn wir verlieren im stationären Geschäft Umsatz, und von dauerhaften Rabattaktionen können und wollen wir nicht leben.“

Deshalb hat sich das Ehepaar bereits vor einigen Jahren dafür entschieden, auch digitale Wege einzuschlagen. Nach ersten Online-Shop-Geh-Versuchen Ende der 1990er-Jahre haben Plaumanns zunächst Waren in einem absichtlich klein gehaltenen Rahmen über Internetmarktplätze verkauft – hauptsächlich Kleidung und Schuhe, die im Geschäft liegen geblieben sind.

Der Anteil des Onlinegeschäfts am Gesamtgeschäft beträgt mittlerweile 50 Prozent

„Aber ab 2013 haben wir festgestellt, dass das allein nicht reicht“, erzählt der Unternehmer. Deshalb habe man wieder verstärkt auf einen eigenen Online-Shop gesetzt. Mit ihrem Geschäftsmodell gehört das Ehepaar deshalb zu den Referenzunternehmen, die für das Projekt Einzelhandelslabor Südwestfalen von den Wissenschaftlern der FH Südwestfalen und der Universität Siegen zu ihren digitalen Strategien befragt worden sind.

Für die technische Realisierung des Internetshops haben Sylvia und Marco Plaumann einen Dienstleister beauftragt. Doch damit war es nicht getan. Die Zeit, in der der scoreshop online ging, beschreibt der Inhaber mit dem Eindruck, wieder zur Schule zu gehen und alles neu lernen zu müssen. Denn die Pflege des Shops und die Verknüpfung mit dem Warenwirtschaftssystem hat er selbst gestemmt.

Und das ist bis heute so. Der Anteil des Onlinegeschäfts am Gesamtgeschäft beträgt mittlerweile 50 Prozent, und das Ehepaar hat die Aufgaben unter sich deshalb klar geteilt: Während Sylvia Plaumann mit den Mitarbeitern das stationäre Geschäft betreut, nimmt der Onlineauftritt (dazu gehören auch scoreshop App und Soziale Medien) Marco Plaumanns ganze Zeit in Anspruch. Neue Waren müssen in den Shop eingepflegt, die entsprechenden Daten hinterlegt und die Waren etikettiert und mit dem Warenwirtschaftssystem verknüpft werden. Verkauft und verschickt wird mit verschiedenen Versandarten über Onlinemarktplätze oder über den eigenen Shop direkt zu den Kunden. Geld verdienen die beiden mit dem Verkauf über verschiedene Online-Marktplätze – mit dem eigenen Onlineshop bislang allerdings noch nicht nennenswert, denn Gewinne fließen quasi direkt wieder zurück und werden zum Beispiel in die Suchmaschinenoptimierung investiert. „Wir sehen unseren Onlineshop bis jetzt eher als eine Art Schaufenster“, sagt Marco Plaumann.

Ein Schaufenster, das immer wichtiger wird. „Die Entwicklung, die in unserer Branche gerade stattfindet, wird die Innenstädte verändern. Derzeit findet eine Marktbereinigung statt“, sagt der Unternehmer. „Früher haben wir in Fünf-Jahres-Schritten gedacht. Heute schauen wir höchstens noch auf das nächste Jahr.“ Wie sich der stationäre scoreshop dann verändern wird, ist noch nicht klar. Wahrscheinlich, so die Überlegung des Ehepaares, werde man sich verkleinern und verstärkt auf das Onlinegeschäft setzen.

Marco Plaumann ist überzeugt, dass der Handel im Internet insgesamt zunächst weiter wachsen wird, diese Entwicklung sich aber irgendwann auch wieder umkehren könnte. „Wenn in Innenstädten nur noch die gleichen Filialisten zu finden sind, reicht das womöglich den Kunden nicht mehr und kleine, individuelle Geschäfte könnten wieder eine Chance bekommen. Aber wer kann das schon vorhersehen?“

(Quelle: Wirtschaft, Magazin der IHK Arnsberg, Ausgabe 1/2017)